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Leichte Jazz-Intromusik.
Sprecher: Der Verein “Radeln ohne Alter” hat im “House of Life” erstmals eine Rikscha stationiert. Calle Overweg:[...]Dass ich jetzt hier den Betrieb von “Radeln ohne Alter” mit euch eröffnen kann und wir das ein bisschen feiern und das tue ich dank dieser Dame: Antje Lange. Antje Lange: Unter anderem Calle Overweg: Unter anderem, ja. Antje Lange betreibt hier nämlich den Förderverein für das “House of Life” [...] Sprecher: [...] Und der ist mit dem Verein “Radeln ohne Alter” in Kontakt getreten, einem Verein der überzeugt davon ist, dass jeder Mensch das Recht auf Wind im Haar hat, auch und gerade Menschen, denen es dazu an der nötigen Mobilität fehlt, und dafür gibt es Rikschas. Calle Overweg: Wir sind keine professionellen Rikschapiloten, sondern wir sind alles Freiwillige und wir machen das, weil wir uns so gerne bewegen und die Freude daran mit euch teilen wollen. Sprecher: An festgelegten Tagen kommen nun die freiwilligen Rikschafahrer ins “House of Life”. Die Bewohner, die gerne eine Runde drehen wollen, können sich zuvor auf einer Liste für die Rikschatour eintragen. Mindestens bis Juni bleibt die Rikscha in der Blücherstraße stationiert, danach kommt sie zum Kooperationspartner dem “Pflegeheim am Kreuzberg” in der Fidicinstraße. Doch auch danach können die Bewohner des “House of Life” die Rikscha weiter nutzen, die Fahrer kommen dann eben vom Berg hinuntergeradelt. Bemerkenswert von den rund 30 freiwilligen Fahrern, die dem Verein zur Verfügung stehen, kamen gleich 10 zur Eröffnung des neuen Standortes nach Kreuzberg. Zwischen ihnen und den Bewohnern, die die Rikschas ausprobierten, hat die Chemie offensichtlich schnell gestimmt. Die ersten Testfahrten jedenfalls waren ein voller Erfolg und die ersten Bewohner hatten die Gelegenheit schnell beim Schopf gepackt und das Gefährt ausprobiert. Das Urteil war ziemlich einhellig. Bewohnerin: Unheimlich gut!
Leichte Jazz-Outromusik.

 


In der Ruhe liegt auch in einem Haus in Kreuzberg die Kraft. Die Kraft Menschen zu helfen, die sich selbst nicht helfen können. Im House of Life wohnen sie. Ältere Menschen vermuten sie jetzt bestimmt. Nein! Das sind Männer und Frauen weit unter 60. Sie haben alle ganz unterschiedliche Lebensschicksale. HIV-Positive, Unfallopfer oder auch psychisch Kranke. Zusammengefasst sind einige ihrer Geschichten in diesem kleinen Buch. Auch der Gemütszustand von Deflef Giertz ist darin festgehalten. Detlef ist heute nicht gut drauf. Bei diesem Aprilwetter mitten im März sehnt er sich auch nach sommerlicher Wärme. Die Wärme, die er in der Gemeinschaft der Bewohner und des Personals des Hauses erlebt, tut ihm so gut, dass er gerne für immer hier wohnen möchte. Sie ist oft eintönig, die Welt in der Detlef Giertz lebt. Ein kleines Zimmer, selten Familienbesuche, nur Antje Lange kommt ab und zu vorbei. Zum Reden und zum Zuhören.

 

Detlef: „Ich war früher Alkoholiker gewesen und musste aus der Wohnung raus in [nicht identifizierbar], weil ich die Miete nicht mehr zahlen konnte. Und deswegen wohne ich jetzt hier, fühle mich wohl und es geht wunderbar.“

 

Das House of Life, ein Pflegeheim für junge Menschen die Hilfe brauchen. In allen Lebensbereichen. Deshalb werden sogenannte Zeitschenker gesucht. Freiwillige, die das machen was das Pflegepersonal oft nicht schafft, sich Zeit nehmen für die Bewohner eben. Detlef Giertz nutzt das dank seiner Mobilität. Tischfußball spielen, das würde ohne die Zeitschenker nicht gehen. Sie beschäftigen sich mit den Bewohnern und ersetzen wie Nicole Katcewitz, nicht nur den Mitspieler, sondern auch immer ein Stück die Familie.

 

Nicole schreit vor Freude!

Detlef: „Fein gemacht!“

 

Nicole: „Viele haben halt keine Angehörigen, die sich noch extra mitengagieren können, oder  zeitlich da auch nicht die Kapazitäten haben und deswegen ist es ganz wichtig, dass noch mehr zusätzliche Leute mit reinkommen. Bringt auch wieder ein bisschen die Gesellschaft mit ins Haus.

 

Klaus Kugler lebt seit einem halben Jahr im House of Life. Er leidet an Chorea Huntington, einer Nervenkrankheit  und muss rund um die Uhr gepflegt werden. Billard spielen klappt aber irgendwie noch ganz gut. Mit etwas Glück und Detlefs Hilfe.

 

Detlef: „Ganz leicht und locker.“ (Billardkugel prallt ab) „Na siehste! Dann machste weiter. Nach da.

 

Dreimal in der Woche bekommt Klaus Kukla Besuch von seiner Frau. Eine der wenigen Angehörigen, die regelmäßig ins House of Life kommen. Drei Jahre hat Kerstin Kukla den 48-jährigen zuhause gepflegt, neben ihrem Job. Doch dann brach sie unter der Doppelbelastung zusammen. Im house of Life hat ihr Mann ein neues Zuhause gefunden.

 

[Klassische Musik]

 

Er war in einem anderen Pflegeheim, äh das war eine Altersdemenz-WG und da war er der jüngste. Die anderen waren 80, 90.

 

Klaus: „Ich bin auch leider öfter – also das war am Ende des Sommers – leider abgehauen.“

Kerstin: „Das war dann die Konsequenz daraus, dass er sich nicht wohlgefühlt hat und dann ist er abgehauen immer. Wurde mit der Polizei wiedergebracht und all das.“

 

Schach spielt Detlef Giertz besonders gern. Auch wenn die Partien nur kurz sind, denn das ist nicht die Stärke von Zeitschenkerin Antje Lange. Dafür hört sie zu, bespricht Probleme und das ist nicht nur für ihn ein großes Geschenk.

 

Antje: „Ich versuche schon auch mein Leben schön für mich zu leben, ja. Aber auch zu sagen: es gibt viele Menschen und hier im Haus – die wirklich ja – die das Schicksal nicht geküsst hat, sagen wir mal so und da auch ein bisschen dazu beizutragen, dass… dass sie sich wohler fühlen können, dass sie mal schöne Stunden haben und so ist mir ganz wichtig.

 

Das House of Life, nicht nur für Detlef Giertz ein Ort an dem das Leben lebenswert bleibt, sondern für alle die sonst viel zu früh auf dem Abstellgleis landen würden. Das House of Life in Berlin-Kreuzberg, ein sehr menschliches Projekt. Vielleicht möchten sie ja Zeitschenker werden, melden sie sich.