Das war House of Life – und was nun jetzt!

Ein völlig neuartiges Konzept!

Das House of Life wurde nach einer Teilsanierung im Januar 2006 von der FSE Gruppe als Pflegeheim für jün­gere Menschen zwischen 25 und 55 Jahren er­öff­net. Die Idee der ersten und einzigen großen Langzeit-Pflegeeinrichtung war durch die langjährige Kooperation von Mitarbeitern der Berliner AIDS-Hilfe e.V. und der FSE Pflege GmbH unter dem Dachverband der AWO entstanden.

Zu jung fürs Altersheim und zu krank fürs Eigenheim!

Die Bewohner*innen der Pflegeeinrichtung House of Life waren einerseits massiv auf die Betreuung durch Dritte angewiesen, hatten aber andererseits keineswegs mit ihrem Leben abgeschlossen. Es waren Menschen, die zu jung für ein Seniorenheim waren und zu krank für betreutes Wohnen und keineswegs mit ihrem Leben abgeschlossen hatten. Meist nach schweren Schicksalsschlägen: einem Unfall, einem Schlaganfall, einer langen Suchtproblematik oder schweren Krankheiten wie Parkinson, MS, HIV/AIDS oder Organisches Psychosyndrom.

 

Eine ganz besondere Einrichtung!

Die Pflegeeinrichtung verfügte über 118 vollstationäre Pflegeplätze in Einzelzimmern. Die Zimmer waren mit TV- und Telefonanschluss ausgestattet. Eine Schwestern-Ruf-Anlage war selbstverständlich. Jedes Zimmer hatte ein barrierefreies Duschbad mit WC. Ausgestattet waren die Zimmer mit jeweils einem Einbauschrank, einem Regal, einem Nachttisch, einem Pflegebett, Tisch und Stuhl. Diese Grundausstattung konnte im Rahmen der Möglichkeiten ganz oder teilweise durch eigene Möbel ergänzt oder ausgetauscht werden.

Mittendrin im Leben – fast wie alle anderen auch!

Ziel der Einrichtung war es daher, im Zentrum eines lebendigen Kieznetzes in Kreuzberg ein Umfeld zu schaffen, das, soweit es der jeweilige Gesundheitszustand zuließ, die Bedürfnisse der vergleichbar jungen Bewohner*innen respektiert und ihnen ermöglicht, ihre eingeschränkten Fähigkeiten und Vorlieben auszuleben und zu entwickeln. Das House of Life versuchte daher, weit über die Leistung eines einfachen Pflegeheims hinaus zu gehen und die Individualität der Bewohner, mit ihrer jeweiligen Geschichte, ethnischem Hintergrund, sowie ihrer sexuellen Identität zu respektieren und zu fördern.

Das House of Life wurde ein offenes Haus. Kunst und Musik machen das Haus und seinen Veranstaltungssaal – sowohl für die Bewohner*innen als auch für die Stadt Berlin – zu einem einzigartigen Ort der Begegnung.  Dieser Saal fungierte als weitere Schnittstelle zwischen der Innenwelt des House of Life und der Welt „draußen“.

Der Förderverein des Hauses, House of Life e.V, trug wesentlich dazu bei, mit seinen engagierten Ehrenamtlichen, den sogenannten Zeitschenker*innen und zahlreichen Projekten, das Leben im Haus zu bereichern und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen.

Alles ist nun vorbei!

Seit mehr als zwei Jahren kursierten immer wieder Gerüchte über eine Schließung des House of Life, die von der Führung nie bestätigt wurden. Klar war nur, dass der Mietvertrag des House of Life in der Blücherstraße 26 B bis 2025 laufen sollte. Im Nachhinein gab es Warnsignale, die auf ein vorzeitiges Ende deuteten. Wichtige Mitarbeiter*innen der Führungsetage wurden plötzlich in andere FSE Einrichtungen „befördert“, zwei von acht Stockwerken wurden komplett geschlossen und von den ursprünglich 118 Zimmern waren zum Schluss nur noch 80 belegt.

Am 03. März gab FSE in einer Pressemitteilung die Schließung des House of Life zum 30. Juni dieses Jahres bekannt, wegen mangelhafter Bausubstanz mit einem enormen Instandsetzungsbedarf. Am 05. März .2020 erfuhr der Vorstand des Fördervereins in einem persönlichen Gespräch mit dem Geschäftsführer der FSE Pflegeeinrichtung gGmbH von der Schließung und gleichzeitig wurde ihm im Aussicht gestellt soweit es geht das Büro dort bis Ende des Jahres benutzen zu können. Am 19. März informierte ein im Haus ausgehängter Zettel die Mitarbeiter*innen, dass der Umzug der Bewohner*innen des House of Life bis zum 30. Mai abgeschlossen wird. Es sei der ausdrückliche Wunsch der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung als neuer Mieterin des Gebäudes in der Blücherstraße dort ein „Ausweichquartier im Kampf gegen Corona“ aufzubauen, das von Vivantes betrieben werden soll. Hier das PDF

 

Das geschieht mit den Bewohner*innen des House of Life!

Den 65 Beschäftigten würden innerhalb der FSE-Group neue Arbeitsplätze angeboten. Für die 80 Bewohner*innen, von denen viele unter 55 sind, etliche sogar viel jünger, hat sich die FSE-Gruppe bemüht, eine anderweitige Unterkunft zu suchen. 50 Bewohner*innen sind im „Goldenherz“, einem Altenpflegeheim im Wedding, untergebracht worden. Die meisten restlichen wurden nun auf verschiedene Einrichtungen der FSE-Group verteilt, das heißt auch in Altenpflegeheimen.

Wir vom Förderverein bekommen eine Liste mit den neuen Wohnorten der Bewohner*innen, um sie ein bisschen noch, zumindest einen Teil, zu begleiten und zu Veranstaltungen einzuladen.

Die FSE-Gruppe, Träger des House of Life, versichert allerdings, an dem Konzept einer Einrichtung für jüngere pflegebedürftige Menschen festhalten zu wollen. Nach einem geeigneten Standort in Berlin werde bereits gesucht, hieß es.

 

Das geschieht mit dem Gebäude!

Das Haus mit Grundstück, wo House of Life sich befand, gehört jetzt der „Blücher 26B GmbH“. Diese wird in Beziehung mit der Direktbank N26 gebracht.

 

Bis Ende des Jahres ist die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung die Mieterin. Vom Juni bis Ende Dezember 2020 können Menschen mit bestimmten Pflegegraden, die eine bestätigte Corona-Infektion ohne schwere Symptome haben, maximal vier Wochen in der Blücherstraße 26B in Kreuzberg leben, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit in einer Pressemitteilung mit. Betrieben werde die Unterkunft mit 118 Plätzen vom Vivantes Forum für Senioren.

 

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Danach wir laut unserer Informationen das Gebäude abrasiert. Über was dann an der Stelle kommen wird, kann man sich denken.