Abschied ohne Abschied nehmen zu können!

Für seinen ausgezeichneten Artikel über die Schließung des House of Life im Stadtteilmagazin „Kiez und Kneipe“ hat Klaus Stark mit Nicole Katschewitz gesprochen, der langjährigen Vorsitzenden des Fördervereins House of Life e.V. Hier das PDF zum Artikel 

Anbei das ausführliche Interview:

Nicole, seit wann weißt du, dass das House of Life geschlossen wird?

Mündlich und schriftlich per E-Mail haben wir als Förderverein am 27.02.2020 eine offizielle Einladung zu einem persönlichen Gespräch am 05.03.2020 mit dem Geschäftsführer der FSE Pflegeeinrichtung gGmbH erhalten. In dem Gespräch mit weiteren Mitarbeitenden der FSE wurde uns dann mitgeteilt, dass die Pflegeeinrichtung zum 30.06.2020 geschlossen wird.

Wie habt ihr im Förderverein darauf reagiert?

Wir hätten nie gedacht, in welcher kurzen Zeitspanne das Haus geschlossen wird. Für die Bewohner*innen wollten wir bis zum Ende alle ehrenamtlichen Angebote weiterhin anbieten und auch möglichst alle geplanten Projekte und Events noch durchführen…aber dann kam Corona…seit dem 13.03.2020 offizielles “Hausverbot bis auf Widerruf“!

Habt ihr den Eindruck, dass alle Bewohner*innen künftig adäquat unterkommen?

Wir wissen, dass zumindest die Bemühungen da waren, die Bewohner*innen mit Freund*innen und in Gruppen in andere Einrichtungen zu verlegen. Einige wurden auch aufgrund ihrer speziellen Erkrankungen in spezialisiertere Einrichtungen verlegt.

 

Ist das ursprüngliche Konzept eines Pflegeheims für Jüngere damit nicht letztendlich gescheitert?

Das Konzept einer Pflegeeinrichtung für jüngere Pflegebedürftige ist nicht gescheitert. Alle Beteiligten haben immer wieder betont, dass dies wichtig und richtig war. Leider können viele engagierte ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitende nichts daran ändern, dass andere vertragliche, finanzielle Rahmenbedingungen zum Scheitern eines guten Projektes führen.

Löst sich der Förderverein jetzt auf oder arbeitet ihr weiter?

Aufgrund dieser verflixten Corona-Situation konnten wir als Förderverein noch keine außerordentliche Mitgliederversammlung unter den vorgegebenen Schutzmaßnahmen durchführen. Nur diese kann über die endgültige Zukunft des Fördervereins entscheiden. Auf jeden Fall versuchen unsere stets Motivierten, die angestoßenen Projekte im Kiez weiter zu etablieren, und einige Zeitschenker*innen überlegen, in den neuen Einrichtungen für unsere „ehemaligen“ Bewohner*innen neue ehrenamtliche Angebote zu schaffen!

Wir sind wirklich sehr traurig, dass wir uns nicht einmal von den Bewohner*innen verabschieden und bei den Zeitschenker*innen und Kooperationspartner*innen für die jahrelange tolle Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken konnten. Wir hoffen, dies wenigstens (unter Wahrung aller Auflagen) noch nachholen zu können.

Bis Februar 2020 war es eine spannende und aufregende Zeit, die ich seit 2006 im House of Life mit den vielen engagierten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden zusammen mit den Bewohner*innen dort verbringen durfte, wofür ich sehr dankbar bin und die bereichernden Begegnungen für immer in Erinnerung behalten werde!